Ein Werkstattbericht. Wie ein F3B-Wettkampftag bisher ausgewertet wurde, was daran regelmäßig schiefging, und was ich daraus gebaut habe — inzwischen für vier Klassen, jede nach ihrem eigenen Regelwerk.
Ein Laptop im Rechnerzelt
Wer schon einmal einen F3B-Wettbewerb ausgewertet hat, kennt das Bild: ein Notebook auf einem Biertisch, darauf Dave-F3B, und daneben die Person, die den ganzen Tag nicht vom Platz kommt. Alles läuft über diese eine Maschine. Die Zeiten aus dem Zeitflug kommen auf Zetteln vom Band, die Streckenzahlen aus dem Streckenflug ebenso, und beim Speedflug ruft jemand die Zeit durch, weil es schneller geht.
Das funktioniert. Es funktioniert seit Jahren. Aber es hat vier Stellen, an denen es weh tut, und die kennt jeder, der es gemacht hat.
Die Zettel. Zwischen Band und Zelt liegen fünfzig Meter und manchmal Regen. Ein Blatt, das nass wird, ist nicht mehr zu lesen. Ein Blatt, das liegen bleibt, fehlt am Abend.
Eine Maschine, ein Mensch. Wer auswertet, steht nicht am Band. Wer am Band steht, kann nicht auswerten. Bei zwei Startstellen wird abwechselnd gewartet.
Niemand weiß, wo er steht. Die Wertung entsteht im Zelt und wird am Ende ausgehängt. Vorher ist sie eine Blackbox. Dass jemand nach dem vierten Durchgang wissen will, ob sein Streicher schon greift, ist keine Neugier, sondern Taktik: die Reihenfolge im Speedflug hängt an der Rangliste.
Der Wiederholungsflug. Ein Reflight ist der Normalfall, kein Ausnahmezustand — und er ist die fehleranfälligste Eingabe des Tages. Der Originalflug darf nicht verschwinden, die Wiederholung braucht ihre eigene Wertungsgruppe, und beides von Hand nachzuhalten kostet genau die Aufmerksamkeit, die gerade woanders gebraucht wird. Auf Papier ist das eine Fußnote. In der Wertung ist es der Unterschied zwischen Platz zwei und Platz fünf.
Was ich eigentlich brauchte
Mein erster Reflex war, das alte Programm nachzubauen, nur im Browser. Das war falsch, und ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, warum.
Der Kern ist nicht die Eingabemaske. Der Kern ist, dass am Fluggelände oft kein Netz ist. Eine Anwendung, die eine Verbindung braucht, ist dort genauso unbrauchbar wie ein Notebook mit leerem Akku — nur dass man es erst merkt, wenn die Gruppe schon steht. Also läuft alles auf dem Gerät, und die Übertragung ist der Nachgedanke, nicht die Voraussetzung.
Das zweite ist keine Frage der Regeln, sondern des Vertrauens. Der beste Wert einer Gruppe ergibt 1.000 Punkte, alle anderen im Verhältnis dazu — so weit, so bekannt. Nur folgt daraus: wer bestimmt, in welcher Wertungsgruppe ein Flug landet, bestimmt die Punkte. Diese Entscheidung darf nicht auf einem Tablet liegen, das jemand am Band in der Hand hält.
Was daraus geworden ist
Die Wettbewerbsleitung ist eine Anwendung innerhalb dieser Seite. Sie lost aus, erfasst die Flüge am Band und rechnet nach dem FAI-Regelwerk. Sie läuft auf dem Gerät, das man dabei hat, und sie läuft ohne Netz weiter.
Die Auslosung verteilt das Feld auf Gruppen und Runden und trennt dabei Teamkollegen, so weit die Teilung es hergibt. Sie hängt an einer Auslosungs-ID: dieselbe ID ergibt dieselbe Ziehung, immer. Freie Plätze wandern in die späten Gruppen, und wo in der Gruppe sie liegen, wird ausgelost — denn ein freier Platz nützt nur dort, wo noch nicht geflogen wurde. Genau dort landet nämlich ein Wiederholungsflug.
Am Band geht es Runde, Aufgabe, Gruppe, Pilot. Die Flugzeit
tippt man als 9:58 oder als 958, die Landepunkte
kommen aus der Tabelle. Unter der Maske steht die Rechnung, Rohpunkte und
Strafpunkte getrennt, damit ein Tippfehler auffällt, bevor er in der Wertung
steht. Mehrere Geräte schreiben gleichzeitig, jedes mit eigenem Zugang, und der
Veranstalter kann eines auf eine Aufgabe zuschneiden: das Tablet an der
Zeitmessung schreibt Aufgabe A und sonst nichts.
Die Wertung steht jederzeit da, nicht erst am Abend, mit den Teilwertungen je Runde und Aufgabe. Der Streicher ist markiert, statt still abgezogen zu werden. Punktgleichheit wird angezeigt und nicht aufgelöst; das entscheidet die Zusatzrunde und keine Tabelle. Und die Startliste steht auf der Webseite, wo sich jeder selbst und seine Teamkollegen markieren kann, bevor er sie ausdruckt.
Vier Klassen, vier Regelwerke
Angefangen habe ich mit F3B, weil das die Klasse ist, mit der ich am Platz stehe. Dass F3G, F5J und F3L dazugekommen sind, war kein weiteres Auswahlfeld im Formular. Jede Klasse hat ihr eigenes Regelwerk, und die Unterschiede sitzen genau dort, wo gerechnet wird.
F3G ist F3B mit Motor statt Winde: dieselben drei Aufgaben, dieselbe Landetabelle, derselbe Streicher ab der fünften Runde. Nur zählt im Zeitflug die Starthöhe gegen einen, und zwar gestaffelt — bis 250 Meter kostet jeder Meter eine halbe Sekunde, darüber drei. Bei 300 Metern sind das 275 Punkte. Die zweite Stufe ist keine Rechnung mehr, sondern eine Abschreckung.
F5J hat eine einzige Aufgabe und einen Höhenmesser im Modell. Der Abzug beginnt bei 200 Metern, der Landebonus ist halbiert, und gewertet wird erst ab vier vollständigen Runden; danach fliegen die besten dreißig Prozent eine Endrunde. Muss jemand wiederholen, wird seine neue Gruppe auf mindestens sechs Piloten aufgefüllt — ausgelost, nicht ausgesucht. Wer mitfliegt, bestimmt die 1.000er-Basis, und diese Entscheidung darf nicht bei der Wettbewerbsleitung liegen.
F3L sieht von außen aus wie F5J — eine Aufgabe, Thermikdauer, Start am Gummiseil. Die Zahlen sind andere: zwei Punkte je Sekunde statt einem, sechs Minuten Ziel in neun Minuten Arbeitszeit, und eine Landetabelle, die bis auf zwei Zehntelmeter herunter misst. Es zählt der letzte Flug, nicht der bessere. Im Regelwerk steht die Klasse noch als vorläufig.
Ich schreibe das so ausführlich, weil die naheliegende Abkürzung die falsche ist. Eine Anwendung, die „im Prinzip F3B" rechnet und für die anderen Klassen ein paar Zahlen austauscht, rechnet in dem Moment falsch, in dem ein Regelwerk etwas anderes meint und nicht bloß anders beziffert. Genau das ist mir passiert: F5J hat eine Weile die F3B-Regel geerbt, nach der eine Gruppe mit nur einem gültigen Ergebnis annulliert wird. Diese Formel kommt im F5J-Regelwerk überhaupt nicht vor. Jede Klasse hat deshalb ihr eigenes Wertungsprofil, und darin steht neben jeder Zahl die Regelnummer, aus der sie stammt.
Zwischen den Wettbewerben
Ein Wettbewerb ist ein Tag im Jahr, vielleicht acht. Geflogen wird an den anderen. Dafür gibt es jetzt das Trainingstagebuch: Flüge festhalten, ohne Wettbewerb drumherum, in der Klasse, die gerade an der Reihe ist.
Es ist dieselbe Bauart wie die Wettbewerbsleitung. Es läuft auf dem Gerät, es läuft ohne Netz, und man kann es sich als App auf den Startbildschirm legen. Es braucht keine besonderen Rechte — ein Konto genügt. Was darin steht, bleibt bei dir; es geht an keinen Veranstalter und in keine Rangliste.
Was ich bewusst nicht gemacht habe
Ich habe die Auslosung nicht eingefroren. Das Regelwerk verlangt Änderungen mitten am Tag: ein Wiederholungsflug bekommt eine neue Gruppe, und dauert eine Unterbrechung über fünfzehn Minuten, werden aus Startblöcken Wertungsgruppen — samt der schon erfassten Ergebnisse. Wer das verbietet, verbietet das Regelwerk.
Stattdessen prüft der Server, woher eine Wertungsgruppe stammt. Sie muss aus der Auslosung kommen oder aus einem hinterlegten Wiederholungsflug. Alles andere wird abgelehnt, mit Begründung. Diese Prüfung gehört auf den Server, nicht in die Anwendung auf dem Tablet — sonst prüft sich der, dem man vertrauen soll, selbst.
Ich habe auch keine Anmeldepflicht für Zuschauer gebaut. Wer sich in der Startliste selbst markiert, tut das im eigenen Browser; die Auswahl geht nicht zum Server. Wer wen anschaut, muss diese Seite nicht wissen.
Und jetzt?
Es gibt einen Übungswettbewerb mit 54 erfundenen Teilnehmern, an dem alles durchspielbar ist, ohne dass ein echter Wettbewerb es merkt. Er gehört nur dir und verschwindet nach 48 Stunden von selbst. Wer am Wettkampftag zum ersten Mal auf so etwas schaut, hat einen schlechten Tag — nimm dir vorher einen ruhigen Abend.
Zu jeder der vier Klassen gibt es außerdem ein eigenes Handbuch, mit Bildschirmfotos aus genau dieser Klasse — nicht mit F3B-Bildern und dem Hinweis, man möge sich den Rest dazudenken.
Und wenn etwas fehlt oder falsch ist: sag es mir. Was hier steht, steht da, weil es jemandem am Platz passiert ist — nicht weil es mir am Schreibtisch eingefallen wäre.